Diagnostische „Fallstricke“ bei einem fistelnden Bauchaortenaneurysma

R. Gönner, R. Gurtner, M. K. Widmer, A. Schnetzer

Objective

Fallstricke werden aufgezeigt, welche bei der Diagnostik eines perforierten, in die Vena cava fistulierten Bauchaortenaneurysmas auftreten.

Methods

Fallbeschreibung

Results

Der 60-jährige Patient stellte sich vor, nachdem er plötzlich synkopiert war. Sehr beunruhigt war er über das anschliessend einsetzende „Herzstolpern“.

In der körperlichen Untersuchung fiel einzig eine Hypotonie von bis zu 90/40mmHg bei Pulsen um die 130/min auf.

Im EKG fand sich eine Sinustachykardie mit ST-Senkungen anterolateral. Bei diesen Befunden und D-Dimeren von 4068 ug/l wurde zum Ausschluss einer A-Dissektion oder einer Lungenembolie ein Thorax-CT durchgeführt.

Bei Zeichen einer massiven Rechtsherzüberlastung wurde eine Echokardiographie durchgeführt, wobei sich normale Befunde mit einer LV-EF von 70% zeigten.

In der Koronarangiographie zeigte sich eine 2-Gefässerkrankung, während des Vorschiebens des Katheters von Inguinal her fiel allerdings eine Verbreiterung der Aorta auf, sodass sofort anschliessend ein Angio-CT des Abdomens durchgeführt wurde.

Dabei zeigte sich eine infrarenal inferior links der Aorta abdominalis verlaufende Vena cava mit Überkreuzung der Aorta auf Höhe der Nierenvenen nach rechts an die Leber und die Mündung der Lebervenen.

Infrarenal zeigte sich zudem ein grosses Bauchaortenaneurysma mit einem maximalen Querschnitt von 9,8 x 8,6 cm. Auf Höhe der maximalen Ausdehnung bestand eine im Querschnitt 12 x 10 mm grosse Fistel des Aneurysmas links posterolateral in die Vena cava inferior (siehe Bild 1).

Im Zentrumsspital erfolgte die offene Implantation einer Y-Prothese biiliacal und der Verschluss der Perforationsstelle gegen die Vena cava mitttels einer Prolene-Naht. Der Patient erholte sich postoperativ gut.

Bild 1

Conclusion

Eine aortocavale Fistel ist eine seltene Komplikation eines rupturierten Bauchaortenaneurysmas. Hämodynamisch führt eine aortokavale Fistel in kurzer Zeit zu einer kardiopulmonalen Dekompensation. Die hohe Flussrate im Bereich beider Nierenvenen kann durch die Abstrombehinderung zum akuten Nierenversagen führen. Mögliche klinische Zeichen sind Kreislaufdepression, Bauchschmerzen mit Luftnot als Zeichen einer globalen Herzinsuffizienz, Beinschwellung und Anurie.

Die Fistel wird nach der Eröffnung des Aneurysmasackes mit einer fortlaufenden Naht verschlossen. Dieses Verfahren wurde zum ersten Mal 1955 durchgeführt und gilt bis heute als Standardverfahren.