Eindeutig – Mehrdeutige Diagnose Appendizitis

T. Rauer, R. Tedaldi, G. Teufelberger

Objective

Die Diagnostik des rechtsseitigen Unterbauchschmerzes kann auch für den erfahrenen Kliniker schwierig sein. Eine sorgfältige Zusammenschau der Anamnese und der klinischen Befunde (Klinik, Labor, Bildgebung) erlaubt es die negative Appendektomierate zu senken. Trotzdem ist auch der erfahrene Chirurg nicht vor intraoperativen Überraschungen gefeit.

Methods

Ein 28-jähriger, ansonsten gesunder Patient stellt sich mit einer 20-stündigen Anamnese von rechtsseitigen Unterbauchschmerzen auf unserer Notfallstation vor. Bei ausgeprägter Druckdolenz und Loslassschmerzen im rechten Unterbauch sowie positivem Psoas-Zeichen sind die laborchemischen Entzündungsparameter erhöht (Lc 16.5x10^5; CRP 16mg/l). Die Abdomensonographie weist eine retrocoecale, entzündlich alterierte Appendix vermiformis nach, so dass die Indikation zur laparoskopischen Appendektomie gestellt wird.

Results

Intraoperativ zeigt sich in der Übersicht eine ca. 8 cm lange, stark entzündlich veränderte, in der parakolischen Rinne liegende Appendix vermiformis, welche multiple Divertikel aufweist (Abb. 1 und 2). Der restliche Abdomensitus, insbesondere das einsehbare Kolon ist divertikelfrei und unauffällig. Es folgt die problemlose laparoskopische Appendektomie. Der Patient kann am zweiten postoperativen Tag in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden. Die histologische Aufarbeitung des Resektates weist eine ulzero-phlegmonöse Entzündung der Appendix mit reizloser Divertikulose nach.

Abb. 1: Appendix vermiformis (eigene Fotographie)
Abb. 2: Appendix vermiformis (eigene Fotographie)

Conclusion

Die 1893 durch Kelynack erstbeschriebene Appendix-Divertikulitis stellt eine seltene Differentialdiagnose des rechtsseitigen Unterbauchschmerzes dar. Sie findet sich in 0.004 bis 2.1% der Appendektomiepräparate 1. Man unterscheidet zwischen der sehr seltenen angeborenen und der häufigeren erworbenen Form und unterteilt die Erkrankung in vier Subtypen: Typ I akut entzündetes Divertikel bei blander Appendix; Typ II akut entzündetes Divertikel mit Begleit-Appendizitis; Typ III Appendizitis mit nicht entzündlich veränderten Divertikeln; Typ IV unauffällige Divertikel ohne Hinweis auf Appendizitis 2,3. Die Histologie unseres Patienten entsprach einem Typ III. Die Appendix-Divertikulitis weist im Vergleich zur Appendizitis ein höheres Perforations- und Mortalitätsrisiko auf 3. Daher ist die Appendektomie die Therapie der Wahl sowohl in den entzündlichen Stadien als auch bei reizlosen Zufallsbefunden 4.

References

  1. Place RJ, Simmang CL, Huber PJ. Appendiceal diverticulitis. South Med J 2000; 93:76-9.

  2. Phillips BJ, Perry CW. Appendiceal diverticulitis. Mayo Clin Proc 1999; 74:890-2.

  3. Lipton S, Estrin J, Glasser I. Diverticular disease of the appendix. Surg Gynecol Obstet 1989; 168:13-16.

  4. Manzanares-Campillo Mdel C; Pardo-Garcia R, Martin-Fernández J. Appendicular pseudodiverticula and acute appendicitis. Our 12-year experience. Rev Esp Enferm Dig 2011; 103(11):582-5.