«Minimal invasive» Kocher-Keilexzision bei Unguis incarnatus

S. Habelt, F. Goti

Objective

Die klassische Keilexzision nach Kocher beinhaltet eine Resektion eines seitlichen Anteils des Zehennagels, der Nagelwuchszone proximal des entfernten Nagelanteils und des seitlichen Nagelwalls. Besonders die Inzision über den proximalen Nagelwall hinaus verursacht häufig eine kosmetisch oder auch mechanische störende Narbe. Wir präsentieren eine retrospektive Studie mit 27 Patienten, welche wir operativ mittels minimalisierter Kocher-Keilexzision unter Zuhilfenahme eines CO2-Lasers behandelt haben.

Methods

27 Patienten mit einem Unguis incarnatus (mit oder ohne Infekt) wurden behandelt. Bei allen Patienten wurde in Lokalanästhesie und Blutsperre zunächst der Nagel seitlich bis zur Nagelwuchszone inzidiert, wobei wurde darauf geachtet, dass der proximale Nagelwall dabei intakt blieb. Mit einer Zange wurde der eingewachsene Nagelanteil herausgezogen, im Bereich des lateralen Nagelwalls wurde das Granulationsgewebe teils scharf mit der Schere oder mit dem CO2-Laser (ultrapulse, 15W) entfernt. Danach wurde der proximale Nagelwall mit einem Haken angehoben, die Nagelwuchszone mit dem CO2-Laser unter Sicht vaporisiert. Danach offene Wundbehandlung durch den Patienten selbst. Befragung der Patienten mittels standardisierten Telefoninterviews.

Results

Die 27 Patienten waren intraoperativ beschwerdefrei. Bei 4 Patienten lag sowohl medial als auch lateral ein Unguis incarnatus vor. In der Anfangsphase der Studie kam es in 2 Fällen zu einem Rezidiv infolge insuffizienter Entfernung der Nagelwuchszone. Nach den ersten 10 Patienten trat dies nicht mehr auf. Bei den Rezidiven wurde einzig die Nagelwuchszone erneut exzidiert. Die Wunden heilten bei allen Patienten ohne Komplikationen ab, alle Patienten sind in der Folge beschwerdefrei. Das kosmetische Ergebnis wurde in allen Fällen als gut – sehr gut beurteilt.

Conclusion

Die «minimal invasive» Kocher-Keilexzision stellt eine einfaches Verfahren mit gutem funktionellen und kosmetischen Ergebnis dar. Eine hohe Patientenzufriedenheit ist zu verzeichnen.

Präoperativer Befund: chronisch-eitrige Entzündung
1. Schritt: Inzision der Nagelplatte mit der Schere bis hin zum proximalen Nagelwall
2. Schritt: Mit einem Skalpell (No. 15) wird die Nagelplatte unter dem proximalen Nagelwall durchtrennt. Dabei wird die Haut über der Nagelmatrix intakt gelassen
3. Schritt: Herausziehen des Nagels mit einer Pean-Klemme
Exzidierter, inkarzerierter Nagelanteil
4. Schritt: Entfernen des Granulationsgewebes mit der Kürette, anschliessend unterfahren des proximalen Nagelwalls mit der Pean-Klemme und Darstellen der Nagelwuchszone
5. Schritt: Die Nagelwuchszone wird mittels CO2-Laser (Ultrapuls 15W) vaporisiert.
Nach Abschluss Betadine-Salbenverband bis zur vollständigen Wundheilung. Der proximale Nagelwall bleibt intakt, keine Narbigen Verziehungen nach Abheilung der Wunde